Rosa ist für alle Da!

Vor einigen Jahren überredete mich eine gute Freundin dazu, bereits weit nach Mitternacht noch in einen Club mitzuziehen. Die Nacht war eigentlich gelaufen, ich war nicht in der richtigen Stimmung und die dönerfressenden Discoqueens, die uns begegneten, verstärkten das Verlangen nach meinem heiß ersehnten Bett. Doch gute Freunde lädt man auf einen Gin Tonic ein und lässt sie in dem Glauben, das wäre die Nacht der Nächte. Und so kam es, dass ich Johannes kennenlernte. Nach zehn Minuten langweiligem Smalltalk verdoppelte sich unser Trinktempo und gemeinsam holten wir Nachschub an der Bar. Als ich dann für uns beide zahlte, war Johannes sichtlich positiv überrascht und erzählte mir, dass es so gut wie nie vorkam, dass ihn auch mal eine Frau einlud. Dass er es sogar ziemlich dreist fände, dass seine Dates immer davon ausgingen, dass der Mann zahle. In meinem unmotiviertem Zustand fiel mir nichts Besseres ein, als „Frauen wollen halt wie Prinzessinnen behandelt werden“ zu antworten. Darauf kam von Johannes die Gegenfrage: „Und wer sagt, dass das Männer nicht auch wollen?“. Bäm, das saß! Unsere anschließende Diskussion über Rollenverteilung, Frauenquote und Hausmänner brachte mich das erste Mal dazu, auch den „Druck“ und den „Schmerz“ dieses Mannes wahrzunehmen. Und zu hinterfragen, was es eigentlich bedeutet ein Mann zu sein.

Ganz klar, bei meinem Opa wäre es noch kaum vorstellbar gewesen, dass ein Mann eine Ausbildung zum Erzieher oder zum Kosmetiker macht, nur weil ihm so danach wäre. Doch heute sind wir ja um Einiges weiter! Ach ja, ist das so? Wird kleinen Jungs nicht immer noch mit Sätzen wie: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ Tapferkeit eingeflößt? Und damit sie auch alle schön actionreich, mobil und technisch orientiert bleiben, haben wir einen gigantischen Spielzeugmarkt, der dafür sorgt, dass das auch schön so bleibt. Zusätzlich ist alles in Blau und Grün gekennzeichnet, damit sich keiner der kleinen Racker in die Mädchenabteilung verläuft (wusstest du, dass vor hundert Jahren rosa die Farbe der Jungs war? Früher galt Rosa als „das kleine Rot“ und Rot stand für Blut und Kampf und somit für Männlichkeit). Wenn kleine Mädchen mit Autos oder dem Ball spielen ist es fast schon wieder cool, doch wenn kleine Jungs anfangen, rosafarbene Kleidung zu tragen und mit Puppen spielen, bekommen die meisten Väter Panik. Und wie sieht es mit Männern in sozialen Berufen aus? Schlecht!  Viele meiden den sozialen Bereich von vornherein, weil die Sorge, das Geld könnte keine Familie ernähren, oftmals größer ist als der „unnötige“ Drang, Erfüllung in seinem Beruf zu finden. Also irgendwie bekomme ich das Gefühl nicht los, dass Männer immer noch das Siegel des Starken und Tapferen aufgeklebt bekommen. Und Schwäche zulassen anscheinend eine der größten männlichen Makel überhaupt ist.

Die „Fearleaders Vienna“ hinterfragen als männliche Cheerleader klassische Geschlechterrollen. In knappen Höschen, mit schicken Pompons und vollen Bärten. Sie brechen das gängige Klischee, dass Männer beim Sport Helden sein und jeden Wettkampf gewinnen müssen. Stattdessen feiern sie den Hedonismus und haben Freude an dem „Frauensport“ Tanz. Sind diese Wiener Burschen vorbildliche Ausnahmen oder sind wir tatsächlich bereit für weinende Männer? Männer, die uns nicht mehr einladen und uns nicht mehr ihre Jacken anbieten auf dem Weg nach Hause, denn schließlich ist Ihnen ja auch kalt (auch wenn Hollywood das gerne mal für den romantischen Moment ausblendet)?!

Denn seien wir mal ehrlich, meistens ist es ziemlich verwirrend, was Frauen von Männern wirklich wollen. Zwar wollen die meisten Frauen finanziell unabhängig sein, doch einen gut bezahlten Job sollte der Mann im Fall der Fälle trotzdem vorweisen können. Zusätzlich mögen wir es gerne, etwas dominanter, aber auf gar keinen Fall zu machohaft. Einfühlsam soll der Traummann auch noch sein, aber bitte keine Memme! Puh, dann viel Erfolg bei der Suche. Passend dazu möchte ich dir den Witz vom Männerkaufhaus, in dem es um den Anspruch, den Frau an den Mann hat, erzählen. In diesem Witz geht es um zwei Kaufhäuser. In dem einen kann man sich den perfekten Mann kaufen und in dem anderen die perfekte Frau. Es gibt jeweils sechs verschiedene Stockwerke und die Fahrtrichtung geht nur aufwärts, also gibt es kein Zurück mehr. Der erste Stock bietet Männer mit einem Beruf an. Der zweite Stock Männer mit einem Beruf, die zudem attraktiv sind. Angekommen im fünften Stockwerk, wo es Männer mit einem Beruf gibt, die attraktiv sind, Kinder lieben, im Haushalt helfen und über ihre Gefühle reden, kann die gute Frau nicht anders und muss, allein nur um ihre Neugierde zu befriedigen, weiter in den sechsten Stock. In diesem ist sie die 1-millionste Frau und mal wieder der Beweis dafür, dass es Männer Frauen meist sowieso nicht recht machen können. Im übrigen kam der Mann im Frauenkaufhaus nur bis zum ersten Stockwerk, da gab es nämlich Frauen die gerne Sex haben. Kein Mann hat es jemals in den zweiten Stock geschafft. Ha ha!

Natürlich ist dieser Witz extrem sexistisch, mit männlichen und weiblichen Klischees belastet. Dennoch bringt er mich dazu, zu hinterfragen, wer den Männern diesen Druck wirklich aufsetzt?  Wie es aussieht, haben wir noch Einiges vor uns, bis Frauen selbstbewusster durchs Leben starten und Männern mehr als nur einen ungefilterten emotionalen Moment (von sich selbst und von uns Frauen) genehmigt wird. Also ja, Rosa ist für uns alle da und ebenso unsere Belly-Philosophie. Es sind vielleicht andere Bereiche und Themen, mit denen sich Männer rumschlagen, doch auch diese sorgen für ‘ne Menge Bauchschmerzen. Fangen wir also an, uns nicht durch die Rolle des Mannes oder durch die Rolle der Frau kennen zu lernen, Bestimmtes zu erwarten oder uns aufgrund klischeebehafteter Werte zu verlieben, sondern stets in den Menschen. Ich danke Johannes für diesen ehrlichen Einblick. Im Anschluss an unser Gespräch damals habe ich dann übrigens das erste Mal in meinem Leben einen Mann nach Hause gebracht.