Ich habe eine Fettschürze. Das ist, laut Duden, „überschüssige Haut am Bauch“ und mein Überbleibsel aus einer Zeit, in der ich schnell viel zugenommen und mich in weiter Kleidung versteckt hab, weil ich mich so schämte. Sie stand dafür, dass ich mich nicht im Griff und meine Diäten versagt hatten. Sie ist etwas, das ich nur von Frauen kannte, die Kinder und damit eine „Entschuldigung“ hatten. Fettschürze – klingt plastisch und leicht eklig, denn das Wort Fett ist in unserer Kultur negativ konnotiert (Danke an alle, die dagegen kämpfen!). Es klingt (leider noch) nach faul, willensschwach, hässlich. Und das habe ich satt. Ich habe eine Fettschürze und ich steh ab heute dazu. Dazu, dass ich an Diäten gescheitert bin, dass ich meinem Körper Leid zugefügt habe, um ein dünnes Ideal zu erreichen, dass ich nicht durchgehalten habe. Weil ich inzwischen weiß, dass es NORMAL ist, Diäten nicht durchzuhalten und dadurch zuzunehmen. Weil ich verstehe, dass mein Verhalten immer einen Grund hat und ich mich nicht mehr dafür schäme, was war. 

Es wird viel über den schlechten Einfluss von Social Media diskutiert. Aber: Diverse Körperbilder auf Instagram zu sehen, hat auch unheimliche Macht, guten Einfluss auf das Selbstbild auszuüben (Hinweis zu einer Studie unten).

Ich habe diese Woche viel darüber nachgedacht, wie viel ich schon von anderen Accounts ermutigt, inspiriert und das Gefühl bekommen hab, nicht allein zu sein, sondern verstanden zu werden. Und dafür möchte ich wieder etwas zurück geben. Wem auch immer diese Botschaft Mut macht oder etwas anrührt und bewegt:

Das ist für dich. 💓

Dein Mutmacher für die Entscheidung, dich nicht mehr zu verstecken und nicht mehr zu schämen.

Das zurückzuholen, was in DEINER Macht liegt – wie DU über deinen Körper sprichst, dich zeigst, dazu stehst.

DEINE Macht, Worte und Urteile nicht mehr dein Leben bestimmen und dich einschränken zu lassen.

You got this.  

Hinweis: 

Natürlich kann es enorm schwierig und kräftezehrend sein, sich als mehrgewichtiger Mensch gegen die gesellschaftliche Verurteilung zu stellen, das weiß ich. Mir ist auch bewusst, dass eine gesamte Bewegung das Wort „fett“ zurückerobert (reclaimed) und das unterstütze ich ausdrücklich, im Text erwähne ich die immer noch verbreitete Konnotierung, von der ich hoffe, dass sie irgendwann überwunden ist.

Studie: Cohen, R., Fardouly, J., Newton-Smith, T., & Slater, A.: #BoPo on Instagram: An experimental investigation of the effects of viewing body positive content on young women’s mood and body image. New Media and Society, 2019. (Vorsicht: Bei der Wortwahl der Studie wurde der radikal-gesellschaftskritische Ursprung der BoPo-Bewegung meiner Einschätzung nach nicht berücksichtigt, ich persönlich nutze den Hashtag nicht.)

Website: www.noemichristoph.com

WP Feedback

Dive straight into the feedback!
Login below and you can start commenting using your own user instantly